Louis Braille

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Leben und Werk von Louis Braille

 

Erfinder der Brailleschrift Louis Braille

 

Louis Braille wird am 4. Januar 1809 in Coupvray geboren. (Coupvray liegt etwa 40 km von Paris entfernt, in der Ile de France, östlich der Marne). Sein Vater betätigt sich dort seit Jahren im Lederkunsthandwerk. Schon in jungen Jahren zeigt Louis ein grosses Interesse für die Dinge dieser Welt und schleicht, kaum kann er gehen, öfters in die Werkstatt seines Vaters, um die vielen merkwürdigen Dinge zu betrachten, die dort herumliegen. Gerade das soll aber dem Kleinen zum Verhängnis werden.

Sein Vater kennt zwar die Gefahr, die bei den vielen scharfen Lederscheren und -messern lauert, und verbietet daher dem kleinen Louis strengstens, allein ins Atelier zu gehen. Aber was nützt es, man ist schliesslich dreijährig und so schrecklich neugierig. Eines Tages entgleitet die Lederschere seinen ungeschickten Händen und fährt ihm ins Auge. Der herbeigerufene Arzt verschreibt Kompressen und verordnet vollständige Dunkelheit. Eine Zeit lang geht die Heilung gute Wege, bis Bazillen in das Auge dringen und ihm die Sehkraft für immer nehmen. Nicht genug damit, durch den Kontakt mit den infizierten Händen des Kindes wird das andere Auge von derselben Infektion ergriffen. Es überzieht sich mit einem Schleier. Die Sicht trübt sich und verwandelt sich zur vollständigen Nacht. Louis Braille ist blind geworden. Die Eltern versuchen alles, aber ohne Erfolg. Kein Spezialist vermag das ersehnte Augenlicht zurückzugeben. Louis begreift von allem nichts. Wer hat ihn in diese schwarze Kammer eingeschlossen? Wann wird man ihn wieder herauslassen.

Anfangs 1814 durcheilt eine unwahrscheinliche Neuigkeit Coupvray: Die grosse Armee von Austerlitz und Wagram befindet sich auf dem Rückzug. Coupvray hat nun für die durchziehenden Truppen zu sorgen, was das kleine Dorf an den Rand des Ruins bringt. Den ganzen Tag hört Louis den Lärm und die fremden Sprachen der vorüberziehenden Soldaten. Dies alles ist natürlich kaum geeignet, um das scheue blinde Kind aufzuheitern. Es ist eine schwere Aufgabe, die Abbé Palluy übernimmt, als er im Jahre 1815 versucht, den jungen Louis mit den Dingen der Welt bekanntzumachen. Er versteht es aber glänzend, die überdurchschnittliche Intelligenz des Kindes anzuregen. Sein neugieriger Charakter entwickelt sich und so schliesst Louis neue Bekanntschaft mit allen Sachen, die er schon einmal gekannt hat. Über allem steht ein tiefer christlicher Sinn und dort eignet sich Louis diese Eigenschaften an, die später sein ganzes Leben kennzeichnen werden: Barmherzigkeit, Güte und Bescheidenheit.

Ein Jahr später kommt Louis zu Antoine Bécheret, dem Lehrer von Coupvray. Dort beginnen zwei Jahre des eifrigsten Studiums. Schüler aus der Umgebung gehen mit dem jungen Louis zur Schule und betrachten ihn als vollwertigen Kameraden. In diesen beiden fröhlichen Jahren lernt Louis wieder lachen, und dieses lächelnde Träumen ist ein weiterer Charakterzug, den er zeit seines Lebens behalten wird.

Dennoch gibt die Zukunft des Kindes Anlass zu einigen Sorgen. Was soll später aus ihm werden? Um so mehr, als jetzt in Coupvray ein neues Unterrichtssystem beginnt, das so genannte "Einseignement mutuel". Es ist so aufgebaut, dass sich die Schüler gegenseitig unterrichten. Es soll den Vorteil zeigen, dass gerade invalide Schüler dadurch profitieren. Nun braucht man aber gerade beim Unterricht eines blinden Kindes so viel Feingefühl, wie das einem Schüler kaum zugemutet werden könnte.

Daher entschliessen sich die Eltern von Louis nach langen Besprechungen, das Kind in das "Institut des jeunes aveugles" in Paris zu bringen.

So kommt Louis am 15. Februar 1819 in dieses Institut. Nach der aufregenden Fahrt durch Paris, die Stadt mit den vielen neuen Geräuschen, tritt er schliesslich in das Haus des Institutes ein. Nachdem er dem Direktor vorgestellt worden ist, wird sofort mit dem Unterricht begonnen. Er wird von M. Dufan in die Geographiestunde geführt. Kaum hat sich Louis ein wenig in die Stunde eingelebt, ertönt die Pausenglocke. Er wird seinen Mitschülern vorgestellt. Man tauscht den Namen aus, wechselt einige Worte. Aber es ist schwer, Kameraden zu gewinnen. Man kann sie ja nicht anschauen und so einen visuellen Eindruck von ihnen erhalten. Daher fühlt sich Louis für den Anfang recht einsam und traurig und beginnt am Abend im grossen Saal zu schluchzen, bis er von einem Mitschüler namens Gauthier getröstet wird. Es entsteht zwischen den beiden eine Freundschaft, die nie auseinander gehen wird.

Die Wochen vergehen, und Louis hat sich jetzt an den Betrieb im Institut gewöhnt. Er kennt alle Professoren und kennt sich in den grossen Gängen und Zimmern vollkommen allein aus; am Abend findet er im grossen Schlafsaal durch Zählen der Schritte sein eigenes Bett. Dank seinen glänzenden Fähigkeiten wird er im Unterricht der beste Schüler. Gelernt wird: Grammatik, Rechnen, Geographie und Geschichte. Die Unterrichtsmethoden sind vor allem mündlicher Natur. Nur manchmal werden wichtige Stellen durch Lektüre unterstützt. Gelesen wird nach dem System von Valentin Haüy, der offiziellen Lesemethode zu dieser Zeit, die trotz allen Unzulänglichkeiten grosse Dienste leistet. Sie besteht aus kleinen Buchstaben, die aus plastischem Material geformt werden. Sie hat aber grosse Nachteile. Für ein kleines Werk braucht man 7 bis 8 Bände, und zudem sind die Buchstaben für weniger sensible Blindenhände schwer zu unterscheiden.

Zur gleichen Zeit unternimmt Louis auch seine ersten musikalischen Versuche. Das Musikzimmer im Institut ist eine katastrophale Angelegenheit. Im gleichen Raum wird gesungen, geflötet und Klavier gespielt, alles zur selben Zeit. Dieses Durcheinander tut aber der Musikalität von Louis keineswegs Abbruch. Langsam, Schritt für Schritt, macht er sich mit dem Klavier vertraut.

Bekanntlich ist durch ständige Übung bei Blinden das Gehör vielfach besser ausgebildet als bei Sehenden. Sie empfinden die Musik deshalb oft viel intensiver. Diese Eigenschaft ist bei Louis Braille in hohem Masse entwickelt. Sie wird ihn später bis zum Organisten in der "Notre Dame des Champs" bringen.

Die Schulzeit bringt aber nicht nur eitel Freude. Wie in jeder Schule sind auch im "Institut des jeunes aveugles" die Strafen wohlbekannt. Sie sind sehr hart und machen auf die sensiblen Blinden doppelten Eindruck. Daher sind doch alle froh, wenn das Ende des Schuljahres heranrückt. In der kleinen Feier, die am Schluss desselben stattfindet, gehört Louis selbstverständlich zu den ersten Preisträgern.

So weit die Jugend von Louis. Ich habe sie deshalb so ausführlich beschrieben, weil sie auf seine Charakterbildung einen entscheidenden Einfluss hatte. Nun aber zu seiner Erfindung:

Am 28. Juni 1819 erhält die "Académie des Sciences" einen Brief von einem gewissen Charles Barbier, in welchem dieser eine Schrift beschreibt, die sich ohne Licht, nur durch Betasten lesen liesse. Barbier ist ein Artilleriehauptmann. Er hat lange Zeit an einer Schrift gearbeitet, die für seine Befehle geeignet ist, so dass sich diese bei Nacht, ohne Licht, entziffern lassen könne. Sie besteht aus Punkten, die in einem rechtwinkligen System verschiedenartig angeordnet sind. Sie ist vorläufig nur auf das Militärische gerichtet. Barbier baut seine Schrift aber in grossem Eifer zur Sonographie aus. Mit dieser hofft er dann, im Blindenwesen revolutionierend wirken zu können. So verlangt er Ende des Jahres 1820 bei Guillié, dem damaligen Direktor des Institutes, eine Unterredung. Guillié empfängt Barbier allerdings nicht mit dem erwarteten Enthusiasmus. Seine langjährige Erfahrung mit Blinden warnt ihn vor solchen Systemen. Er kritisiert mit Recht die grossen Punktkomplexe in Barbiers Schrift, die nur mit Mühe zu übergreifen sind. Immerhin schlägt er dem ziemlich ernüchterten Barbier vor, weiter an seiner Sonographie zu arbeiten. So ganz ohne Echo geht aber der Besuch von Barbier nicht vorbei. Etliches von seiner Schrift ist hinter die Kulissen gedrungen und wird von den blinden Schülern lebhaft diskutiert. Louis sieht sich plötzlich am Tor des Weges, den er schon lange gesucht hat. Er besorgt sich Unterlagen und beginnt vorerst an einer Verbesserung der Sonographie zu arbeiten, was ihm auch grossartig gelingt. So erscheint er denn einige Zeit später mit seiner Arbeit vor Guillié, welcher ihm eine Unterredung mit Barbier gewährt. Man stelle sich nun die folgende Situation vor: Einerseits der ordengeschmückte Artilleriehauptmann Barbier, fünfzigjährig, befehlsgewohnt; andererseits der kleine Louis Braille, blind, schüchtern, zwölfjährig, der Barbier mit sicherer Stimme die Abänderungen an seiner Schrift vorträgt. Die Unterredung ist aber schon durch den Kontrast der beiden Partner zum Scheitern verurteilt. Barbier sieht zwar die Vorteile der Abänderung ein, doch verbieten es ihm sein Stolz und sein Ruf, sie ohne weiteren Kommentar anzunehmen. Louis ist zu schüchtern, um auf die Sache zu drängen. Er zieht sich still zurück, bestärkt in seinem Entschluss, selber ein Alphabet für die Blinden zu schaffen. Er arbeitet vor allem in der Nacht. Wenn alle seine Kameraden schlafen, zieht er still ein Holzbrett unter der Decke hervor und beginnt mit einem spitzigen Instrument Punkte ins weiche Holz zu drücken. Oft hört er bei dieser Arbeit die ersten Wagen des erwachenden Paris über das Pflaster rumpeln, bevor er sich eine Stunde Schlaf gönnt. Sogar in den darauffolgenden Ferien lässt ihm das Problem keine Ruhe. Überall sieht man ihn in Coupvray mit seinem Heft und dem Brett und die Leute sagen von ihm in mitleidigem Spott: "Voilà le petit Louis qui fait ses picotages".

Zu Beginn des Oktobers hat er schliesslich sein Werk beendet. Aus einer Sechsergruppe von Punkten hat er 63 Kombinationen herausgebracht.

Mit diesen 63 Bildern kann er alle Buchstaben, die Ziffern 0 bis 9 und sämtliche mathematischen Operationszeichen darstellen. Louis ist zu dieser Zeit fünfzehnjährig. Bald ist man im Institut auf dem laufenden über seine Arbeiten. Pegnier, der neue Direktor, beglückwünscht ihn aufs herzlichste. Sofort wird das System im Institut eingeführt. Die Schüler lernen die neue Schrift sehr schnell. Es ist ihnen jetzt die Möglichkeit gegeben, während des Unterrichts selber Notizen zu machen und mit ihresgleichen zu korrespondieren.

Trotz aller Arbeit bleibt der junge Braille weiterhin an der Spitze des Institutes. Er empfängt Preise für gute Leistungen in Algebra, Geschichte, Rhetorik und Philosophie. Im Jahre 1826 unterrichtet er in verschiedenen Klassen Grammatik und Algebra, bleibt aber daneben immer noch Schüler. Zwei Jahre später gelingt es ihm, mit Hilfe des gleichen Punktsystems die Vorzeichen der Musiknoten in sieben Oktaven zu finden. 1829 gibt er sein Erstlingswerk heraus unter dem Namen: "Procédé pour écrire des paroles, la musique et le plan-chant, au moyen de points à l'usage des aveugles et disposés pour eux". Im Vorwort zu diesem Buch zollt Braille dem Initianten seiner Ideen, Charles Barbier, hohe Anerkennung. Am 8. August 1828 wird Louis Braille offiziell zum Professor am Institut ernannt. Der Direktor vertraut ihm die Klassen in Algebra, Geographie und Grammatik an. Der junge Professor erfreut sich bei den Schülern einer grossen Beliebtheit. Seine Stunden sind wunderbar aufgebaut, und während des Unterrichts erteilt er selten Strafen. Louis ist jetzt 20 Jahre alt geworden. Oft wird er von Pegnier an die Abendanlässe der "Haute Société" mitgenommen. Er spielt dort Klavier und erntet dabei grossen Applaus. Er gilt zu dieser Zeit als das Wunderkind. Trotz den Ehrungen, die ihm dort zuteil werden, zieht sich das junge Talent jeden Abend mit Freude in die Einsamkeit seiner Kammer zurück. Er hat ja dort noch zu arbeiten. Ein Problem lässt ihm keine Ruhe: die Schrift schwieriger Partituren für die Orgel. In nächtelanger Arbeit, die ihn später die Gesundheit kosten wird, bringt er die Lösung des Problems zuwege. Der gerechte Lohn dieser Arbeit wird ihm schliesslich im Jahre 1833 zuteil. Unter dem Patronat von Mlle Vanderlench vertraut man ihm an der "Notre Dame des Champs" den Posten eines Organisten an. Dies bedeutet die absolute Krönung des Lebens von Louis Braille.

Louis hadert nicht mit dem Schicksal. Er trägt sein Los gelassen, mit einer stillen Resignation. Er ist von einem tiefen Glauben ergriffen, und im Orgelspiel ist ihm Gelegenheit gegeben, seinem Verhältnis zu Gott Ausdruck zu verleihen.

Die Jahre vergehen. Louis wendet sich nun ganz seiner Aufgabe als Unterrichtsprofessor im Institut zu. Sein reger Geist lässt ihm keine Ruhe. Immer wieder versucht er seine Methoden zu vervollständigen und zu verbessern. Diese zusätzliche Arbeit bleibt aber nicht ohne Folgen für seine Gesundheit. Er fühlt sich mehr und mehr müde, fiebrig, und das Atmen beginnt ihm Mühe zu bereiten. Nach einem Blutsturz sind sich die Ärzte einig, dass Louis Braille an Lungentuberkulose erkrankt ist. Was kann man aber zu dieser Zeit schon gegen die Turberkulose machen? Heilung ist unmöglich.

Die Medizin begnügt sich damit, den Tod so lange wie möglich hinauszuschieben. Ferienaufenthalte auf dem Lande und Reduktion der Unterrichtsstunden sind das einzige, was Pegnier in Louis' Fall anordnen kann, und gerade für diesen Fall wirken sie Wunder. Äusserlich geheilt und zu neuen Taten bereit, kehrt er nach einigen Monaten wieder ins Institut zurück. Dort erwartet ihn eine traurige Nachricht:

Der bisherige Direktor und Förderer Brailles, Pegnier, ist durch Intrigen seines Amtes enthoben und durch einen neuen Leiter, namens Dufan, ersetzt worden. Dufan ist nicht beliebt bei den Blinden. Auch Braille wird später manchen Kampf mit ihm auszufechten haben. Dessen ungeachtet, macht er sich von neuem an die Arbeit. Ein neues Problem hat ihn gefesselt. Er will eine Schrift realisieren, die nicht nur von den Blinden, durch Betasten, sondern auch von den Sehenden gelesen werden kann. Er will Punkte so aneinanderschreiben, dass sie Bilder von Buchstaben ergeben. Dazu muss er zuerst eine Vorrichtung konstruieren, die es den Blinden erlaubt, sich Rechenschaft zu geben über die Lage, die Distanzen und Verhältnisse in verschiedenen Figuren. Diese Schrift soll Raphigraphie heissen, und es gelingt Braille, sie auch zu verwirklichen.

Betrachten wir einmal das gewaltige Werk, das er bis jetzt geschaffen hat. Er erfindet ein Blindenalphabet, dazu die Zahlen 0 bis 9, alle mathematischen Operationszeichen, die Übertragung von schwierigen Partituren auf verschiedene Instrumente, und sein letztes Werk, die Raphigraphie. Die einzige Anerkennung, die er bis jetzt von aussen erfahren hat, besteht in dem folgenden Satz: "Ce travail m'a paru remarquable et je pense que M. Braille mérite d'être encouragé". Dieser Satz steht in einem Brief, den Pegnier vom Innenminister im Jahre 1840 erhalten hat. Wir müssen nämlich wissen, dass das offizielle Lektionssystem in den Blindenschulen dasjenige von Valentin Haüy ist. Zudem versucht seit Jahren immer noch Charles Barbier mit seiner unbegreiflichen Starrköpfigkeit, seine Sonographie offiziell zum Zuge zu bringen. Er hat schon den Institutspreis erhalten und verspricht fortwährend, seine Schrift zu verbessern, während in seinem Schatten Louis Braille mit seinem unvergleichlich besseren Alphabet um seine Geltung kämpft. Nicht genug damit: Der neue Direktor, Dufan, versucht mit allen Mitteln, den Gebrauch der Brailleschen Schrift im Institut zu unterdrücken. Er geht sogar so weit, dass er Schüler, die er bei deren Anwendung ertappt, mit härtesten Mitteln bestraft. Oftmals ist Braille nahe daran, aufzugeben, wird aber immer wieder angefeuert von seinem Freund Gauthier, der seinerseits im ganzen Institut den passiven Widerstand gegen Dufan organisiert. Immerhin ist der Name Brailles schon ins Ausland gedrungen. Am 9. Juni 1841 erreicht ihn nämlich ein Brief der österreichischen Königsfamilie, in dem man ihn bittet, sich nach Österreich zu begeben, um dort einen blinden Prinzen zu unterrichten. Aus gesundheitlichen Gründen kann Louis der Aufforderung nicht Folge leisten. In einem Rückschreiben stellt er aber dem bisherigen Erzieher Klein alle seine Arbeiten zur Verfügung, mit dem Schlusssatz: "Je serais heureux si mes petits procédés peuvent être utiles à vos élèves et si ce spécimen est à vos youx la preuve de la haute considération avec laquelle j'ai l'honneur d'être Monsieur, Votre respectueux et très humble serviteur Braille".

Ich glaube, die "petits procédés", mit denen Louis Braille seine ganze Arbeit bezeichnet, sagen genug über seine unglaubliche Bescheidenheit aus.

Durch die ewigen Reibereien mit Dufan erschöpft, muss Braille sich nach einem Blutsturz im Jahre 1843 für sechs Monate aufs Land begeben. Neu zu Kräften gekommen, kehrt er gegen Ende desselben Jahres ins Institut zurück. Dort kann er zu seiner Freude erleben, dass sich vieles zu seinen Gunsten gewendet hat. Man ist inzwischen umgezogen. Das ganze Institut befindet sich in einem neuen Gebäude. Aus der feuchten, ungesunden Atmosphäre wird in eine sonnige, trockene gewechselt, und es scheint, dass selbst Dufan sich nicht mehr ihrem positiven Einfluss entziehen kann. Er ernennt einen seiner Freunde zum Sousdirektor der Schule. Diesem gelingt es dann, Dufan langsam zum neuen Alphabet zu bekehren. Dieser, seine früheren Schritte bereuend, lässt nun Guadets wegen das Braillesche Alphabet als die in der Schule offizielle und einzig zugelassene Methode gelten. So ist der erste Schritt getan, und der neuen Schrift steht nichts mehr im Wege, sich über die ganze Welt auszubreiten. So stellt der 22. Februar 1844 einen weiteren Höhepunkt im Leben Louis Brailles dar. Inmitten seiner Schüler werden ihm Ehrungen zuteil, wie sie seinerzeit Valentin Haüy erlebte. Der 22. Februar sollte nicht nur einen Höhepunkt bilden, nein, er stellt auch den Schlussstrich unter einem reichen Schaffen dar. Bald nach der Feier macht sich wieder die tödliche Krankheit bemerkbar. Dufan enthebt Braille sofort jeglicher Pflichten und sorgt dafür, dass er einen ruhigen Lebensabend verbringen kann, und zwar im Institut. Louis fühlt sein Ende näher rücken. Er ist seinem Schicksal keineswegs gram. Auch in seinen kranken Tagen hilft er seinen Leidensgenossen, wo er kann, und setzt seiner Güte die Krone auf, indem er seinen Posten als Organist, den er auch in dieser Zeit noch auszufüllen imstande wäre, freiwillig einem guten Freunde abtritt, der ebenso musikbegeistert ist wie er.

Schliesslich, am 6. Januar 1852, fühlt Louis Braille seine letzte Stunde schlagen. Nach einem letzten Lebewohl an seine Kameraden und Schüler stirbt er.

Louis Braille hasste stupide Eitelkeit. Er zog keinerlei Ruhm aus seinem Schaffen und wollte es auch gar nicht. Er war glücklich, das Los seiner blinden Schicksalskameraden zu verbessern, und wollte nichts anderes sein als ihr bescheidener Diener. Die Nacht dieses Menschen ist für uns Sehende voller Lektionen der Güte.

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(Quelle www.blind-isis.at)